07.09.2026

SINCONA Lake View Collection · Texte und Kontexte IV / 1726 fielen im Kloster Fischingen, Thurgau, zwei feierliche Anlässe zusammen: Das 50. Jahr der Priesterweihe des Abtes Franz Troger und der 500. Todestag der hl. Ida.

Barockmünzen als Teil von übergreifenden Gesamtkonzepten
Aussergewöhnliche Münzen sind im Barock häufig Teil eines Gesamtkonzepts und wurden im Rahmen eines Fests als Souvenirs verteilt. Ihre Bilder entsprechen dann Darstellungen in anderen Medien. Dabei kann es sich um Flugblätter, Festprogramme, Kulissen oder Kunstwerke handeln. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist eine Münze, die den 500. Todestag der hl. Ida von Toggenburg und das goldene Priesterjubiläum von Abt Franz Troger feiert.

Franz Troger (1652–1728) – ein erfolgreicher Abt des Barocks
Franz Troger wurde am 27. Oktober 1652 im katholischen Altdorf geboren. 1670 trat er im Alter von 18 Jahren ins Kloster Fischingen ein, was ihm das Studium der Theologie und der Philosophie ermöglichte. 1677 liess er sich zum Priester weihen. 1688 wählten ihn die Brüder zu ihrem Abt.
Eine gute Wahl! Unter Troger erlebte Kloster Fischingen seinen Höhepunkt. 35 Mönche traten ins Kloster ein; die effiziente Verwaltung der Klostergüter verschaffte Troger die Ressourcen, Neubauten in Angriff zu nehmen. So entstand unter ihm eine Kapelle für die hl. Ida, die im Zentrum einer beliebten Wallfahrt stand.

Ida von Toggenburg
Die Legende der hl. Ida von Toggenburg ist hoch umstritten. Sie soll die Tochter eines süddeutschen Grafen gewesen sein und im 12. Jahrhundert einen Toggenburger Grafen geheiratet haben. Ihre Geschichte wurde in der heute bekannten Form allerdings erst Ende des 15. Jahrhunderts aus Märchen und anderen Heiligenviten zusammengestellt. Verantwortlich zeichnete der Humanist Albrecht von Bonstetten, der im Auftrag des damaligen Fischinger Abts so mehr Wallfahrer ins Kloster lockte.
Er schildert, wie Ida ihren Ehering auf dem Fensterbrett liegen lässt; wie ihn ein Rabe stiehlt und in sein Nest trägt. Ein Jäger findet den Ring und wird deshalb beschuldigt, Ehebruch mit Ida begangen zu haben. Der Ring wird für ein Liebespfand gehalten und kostet den unschuldigen Jäger das Leben. Der Graf lässt ihn von einem wilden Pferd zu Tode schleifen. Seine Frau stürzt er von einem hohen Felsen herab.
Doch Gott lässt Ida sanft hinuntergleiten, so dass sie sich im unwegsamen Wald als Einsiedlerin niederlassen kann. Natürlich findet der Graf irgendwann seine Frau und erkennt seinen Irrtum. Er will Ida zurück. Doch die bleibt in ihrer Einsiedelei, besucht aber fortan täglich die Frühmesse in der Burgkapelle. Dorthin geleitet sie jeden Morgen ein Hirsch mit einem mächtigen Geweih, das als Kerzenleuchter dient. So kann Ida nicht stolpern, wenn sie durchs Dunkel zur Frühmesse eilt. Es geht noch weiter. Wahrer wird es deswegen nicht.
Der Hirsch entwickelt sich zum Symbol der Ida von Toggenburg. Wir sehen ihn und die Flammen auf seinem Geweih neben Ida auf unserem Dukaten dargestellt.
1726 – das Fest anlässlich des 500. Todestags Idas
Franz Troger verstand als Kind seiner Zeit die Bedeutung lokaler Heiliger für die Steigerung des Ansehens von Kloster Fischingen. Er betrieb deshalb in Rom die Seligsprechung der Ida von Toggenburg. Dazu liess er ihr seit 1704 eine eindrucksvolle Kapelle errichten. Trotzdem war Benedikt XIII. nicht zu einer Kanonisation oder wenigstens einer Seligsprechung zu bewegen. Er erlaubte nur, Ida im Bistum Konstanz zu verehren. Das machte aber den Weg frei für ein prächtiges Fest anlässlich ihres 500. Todestags, der am 3. November 1726 in Fischingen begangen wurde.
Die Münzen dürften aus diesem Anlass geprägt worden sein. Dass Franz Troger sich darauf als "Iubilaeus" – ein Jubiläum feiernd – bezeichnet, hängt damit zusammen, dass er, der 1677 geweiht wurde, sich im Spätherbst des Jahres 1726 im 50. Jahr seiner Priesterweihe befand. In der frühen Neuzeit gab man nämlich Alter oder die Dauer von Tätigkeiten häufig nicht nach Ablauf des heute gebräuchlichen Jahrestags an, sondern dann, wenn das Jubiläumsjahr anbrach.
Nicht zu freizügig!
Hans Jacob Gessner, einer der besten Stempelschneider seiner Zeit, zeichnet für dieses Kleinkunstwerk verantwortlich. Zwar hat er es nicht signiert, aber uns ist sein Briefwechsel mit Abt Troger erhalten. Deshalb wissen wir, dass der fromme Abt einen ersten Entwurf beanstandete, bei dem der Ausschnitt der hl. Ida etwas zu tief geraten war. Gessner kaschierte das Problem, indem er Ida mit einem zusätzlichen Brusttuch ausstattete.
50 Exemplare geprägt
Nur 50 einfache Dukaten wurden von dieser höchst seltenen Münze angefertigt. Es sollen ferner sechs Doppeldukaten und 43 Abschläge in Silber hergestellt worden sein. Wir haben also eine der grossen Raritäten der Schweizerischen Numismatik vor uns.
* Abbildung im Kopfbereich: Legende der Idda von Toggenburg. Votivbild des 18. Jh., Öl auf Leinwand. 72,5 x 99 cm. Fotografie: Hampel, Fine Art Auctions, Munich. Lizenz: Public Domain.