03.09.2026

SINCONA Lake View Collection · Texte und Kontexte II / Im Jahr 1557 entstand die grösste schweizerische Goldmünze des 16. Jahrhunderts – ein 20-facher Goldgulden. Auftraggeber war die Stadt Luzern.

Luzern – führende Vertreterin der katholischen Sache in nachreformatorischer Zeit
Im Jahr 1557 entstand die grösste schweizerische Goldmünze des 16. Jahrhunderts. Auftraggeber war die Stadt Luzern, damals auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Sie hatte sich zum tonangebenden Zentrum der katholischen Orte entwickelt und war durch das Söldnerwesen reich geworden. Königliche Gelder füllten die Staatskasse für die Erlaubnis auf Luzerner Gebiet werben zu dürfen. Hohe Pensionen flossen in die Geldtruhen der städtischen Elite, die die Kommandanten der Söldnertruppen stellte. Luzern nutzte seinen Reichtum auch, um sich nach der Reformation als führende Vertreterin der katholischen Sache zu etablieren.
Der heilige Leodegar
Dazu gehörte, dass Luzern in seiner Münzprägung an der Darstellung des hl. Leodegar festhielt. Sein Martyrium ist auch auf diesem 20-fachen Goldgulden zu sehen, der mit den Stempeln zum Taler von 1557 geprägt wurde.

Leodegars Biographie ist gut dokumentiert. Er wurde um 616 im Reich der Merowinger als Kind einer mächtigen Adelsfamilie geboren. Der Onkel hatte es bis zum Bischof von Poitiers gebracht und war so in der Lage, dem Neffen ein hohes Kirchenamt zu verschaffen. Im Mittelalter war das normal. Die Adligen teilten die Kirchenämter unter sich auf, eine besondere geistige Berufung spielte dabei keine Rolle.
659 ernannte Königin Bathildis Leodegar zum Bischof von Autun. Er sollte in der westlichen Kirchengeschichte eine entscheidende Rolle spielen. Auf seine Initiative wurde das Konzil von Autun einberufen, das die irische Klosterregel zu Gunsten der Regel des hl. Benedikts verbot. Von den Benediktinern wurde er dafür gefeiert. Tatsächlich war diese Entscheidung hochpolitisch, denn die irische Klosterregel sprach die oberste Gewalt über ein Kloster dem Abt, die benediktinische dem Bischof zu.
Es ging Leodegar also vor allem um Machtpolitik. Heute stellen wir ihn uns als stolzen Adligen vor, der sein kirchliches Amt nutzte, um sich in die Reichspolitik einzumischen. Sein Gegenspieler hiess Ebroin. Er war Hausmeier von Neustrien und versuchte, den Einfluss der merowingischen Zentralmacht zu vergrössern. Das passte dem lokalen Adel nicht. Es kam zu militärischen Auseinandersetzungen unter dem Kommando des Leodegar. Der unterlag und Ebroin liess ihn, wie damals üblich, verstümmeln und am 2. Oktober 679 töten.
Die Legende machte aus Leodegar einen wackeren Streiter für die Kirchenreform, einen Märtyrer und Heiligen. In Kirchen ist er mit einem Bohrer dargestellt, dem Symbol seiner Blendung.

Wie der hl. Leodegar nach Luzern kam
Erst war die Verehrung des Leodegar ein lokales Phänomen. Sie ist vor allem in den Benediktinerklöstern zu lokalisieren. So wählte ihn das um 727 gegründete Kloster Murbach zum Patron. Als Murbach umfangreiche Besitzungen im Raum Luzern erwarb, errichtete es dort eine Propstei mit einer kleinen Kirche, die heute als St. Leodegar im Hof bekannt ist. Hier wird noch heute am 2. Oktober das Patrozinium des Heiligen begangen. Alle Luzerner haben an diesem Tag frei.
Zu Seltenheit und Erhaltung
Grossgoldmünzen des 16. Jahrhunderts sind selten. Nur wenige haben sich erhalten. Eine Grossgoldmünze im Gewicht von 20 Gulden mit 65,39 g ist einzigartig und bei dem Stück, das SINCONA anbieten kann, handelt es sich um das einzige Stück in privater Hand. Dass es dazu eine prachtvolle Erhaltung aufweist, wie sie für Münzen des 16. Jahrhunderts nur extrem selten vorkommt, ist ein besonderer Glücksfall!