09.09.2026

Die Alte Eidgenossenschaft: Blütezeit der schönsten Schweizer Münzen

Der Bund von autonomen Städten und ländlichen Regionen mit dem Recht, eigene Münzen zu prägen, macht die Schweizerische Numismatik dieser Periode zu einem so interessanten Sammelgebiet.

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SINCONA Lake View Collection · Texte und Kontexte V / Jeder Teilbereich der «Alten Eidgenossenschaft» war ein unabhängiger kleiner Staat – das sorgte für eine faszinierende Vielfalt unterschiedlicher Prägungen.

Die Schweiz, wie wir sie heute kennen, ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Ihr Vorläufer war ein Bund von verschiedenen Städten und ländlichen Regionen. All diese staatlichen Einheiten besassen nicht nur ihre innere Autonomie, sondern auch das Recht, eigene Münzen zu prägen. Das macht die Schweizerische Numismatik zu einem so interessanten Sammelgebiet.

Irgendwann zu Beginn des 13. Jahrhunderts näherten sich die Bewohner dreier ländlich geprägter Regionen einander an. Sie schlossen Schutzbündnisse und gewährten den Bürgern gegenseitige Rechtssicherheit. Erst viel später sollte dieses eher zufällige Geschehen mythisch überhöht werden als Bündnis freier Schweizer gegen die (inexistenten) Übergriffe der Habsburger.

Aus dieser Zeit stammt der Begriff «Eidgenossenschaft» für die Schweiz. Eine Eidgenossenschaft bezeichnet eine Gemeinschaft von Gleichrangigen, die durch einen Eid miteinander verbunden sind.

Wenn Sie sich dieses fluktuierende Gebilde sich ständig wandelnder Bündnisse und Verträge vorstellen wollen, müssen Sie alles vergessen, was Sie über moderne Staaten, ihre Verfassungen, ihre Institutionen und ihre Rechtssysteme wissen. Die Alte Eidgenossenschaft wurde durch eine unüberschaubare Fülle von Verträgen zusammengehalten, nach denen man sich richtete, wenn es gerade opportun erschien, und die man vergass, wenn man sie vergessen wollte.

 

DECEM ET TRIA LOCA CONFOEDERATORUM HELVETIAE (Die dreizehn Orte der Schweizer Eidgenossenschaft). Aus CIVITATES ORBIS TERRARVM, LIBER PRIMVS, Georg Braun/Franz Hogenberg, 1593. Scan der Bibliothèque nationale de France, département Cartes et plans, GE DD-1399.
Titelblatt der CIVITATES ORBIS TERRARVM, LIBER PRIMVS, Georg Braun/Franz Hogenberg, 1593. Digitale Bibliothek der Universität Heidelberg. DOI-Link:  https://doi.org/10.11588/diglit.12704#0005

Die Entstehung der Alten Eidgenossenschaft

1291 gilt heute als das Datum des so genannten «Rütli-Schwurs», den moderne Historiker ins Reich der Fabel verbannen, auch wenn in Schwyz heute noch der so genannte Bundesbrief ausgestellt ist. Er ist eigentlich nichts anderes als eine von vielen Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung, wie man sie im Hochmittelalter gerne schloss.

Die Innerschweizer Orte – Uri, Schwyz und Unterwalden – verteidigten damit gemeinsame Interessen. Sie lagen am Fuss der Pässe zwischen Italien und dem Deutschen Reich, die von Händlern und Heeren überquert wurden und den Anliegern lukrative Geschäfte ermöglichten. Andere Städte und Regionen schlossen sich dieser frühen Zweckgemeinschaft an.

Wenn Sie alte Auktionskataloge mit Schweizer Münzen in Händen halten, werden Sie sehen, dass darin die Prägeautoritäten nicht nach dem Alphabet geordnet sind, sondern nach dem Datum, zu dem sie der Eidgenossenschaft beitraten.

Als kanonische Daten gelten:

1291 / Uri
1291 / Schwyz
1291 / Unterwalden (Obwalden / Nidwalden)
1332 / Luzern
1351 / Zürich
1352 / Glarus
1352 / Zug
1353 / Bern
1481 / Fribourg
1481 / Solothurn
1501 / Basel
1501 / Schaffhausen
1513 / Appenzell

 

Die Eidgenossenschaft der 13 Orte von 1513-1798 mit Zugewandten Orten und Gemeinen Herrschaften. Aus dem Allgemeinen Historischen Handatlas von G. Droysen, 1886.

Die erweiterte Eidgenossenschaft

Zu diesen «13 Orten», wie man sie in der Schweiz nennt, kamen noch viele weitere Gebiete. Grob gesagt, kann man diese in drei Gruppen teilen.

Da sind zunächst die «Zugewandten Orte», die mit einem oder mehreren der «13 Orte» Verträge geschlossen hatten. Einige von ihnen sind heute Kantone wie St. Gallen, Graubünden, Genf und Neuenburg. Andere waren dafür zu weit entfernt. «Zugewandte Orte» gab es nämlich auch im französischen Elsass und in Süddeutschland.

Ebenfalls zur Eidgenossenschaft gehörten die Untertanengebiete, also die Territorien, die Städte wie Basel, Bern, Luzern oder Zürich erobert hatten und ausbeuteten. Aargau und Thurgau wären dafür ein gutes Beispiel. Schon ihre Namen weisen auf ihre Entstehungszeit unter französischer Herrschaft hin. Die erste Silbe bezieht sich auf den sie durchfliessenden Fluss; die zweite - das deutsche «Gau» - bedeutet Region. 

Last but not least gab es noch die Gemeinen Herrschaften, also die Gebiete, die gemeinsam von allen «13 Orten» verwaltet wurden.

Stellen Sie sich also diese «Alte Eidgenossenschaft» als ein Durcheinander von vielen Städten und Regionen, von Bistümern und Klöstern, aber von Reichsrittern und ausländischen Herrschern vor, die mal zusammenarbeiteten – und mal nicht.

Die Tagsatzung

Dreh- und Angelpunkt der «Alten Eidgenossenschaft» war die Tagsatzung. Dieses Wort leitet sich davon ab, dass ein Tag festgesetzt wurde, zu dem sich die Gesandten an einem bestimmten Ort trafen, um die wichtigsten Themen miteinander abzustimmen. Echte Kompetenzen besass die Tagsatzung nicht, aber durch die Diskussion gelang es der Elite zumeist, einen Kompromiss zu finden, den alle irgendwie mittragen konnten.

Rechtspflege, Privilegien und Steuerautorität

Mit anderen Worten: Jeder Teilbereich der «Alten Eidgenossenschaft» war ein unabhängiger kleiner Staat, der alle Rechte und Privilegien, wie sie Staaten normalerweise besitzen, auf sich vereinigte. Wer in Basel, Bern oder Zürich lebte, unterstand Basler, Berner oder Zürcher Recht, zahlte Basler, Berner oder Zürcher Steuern und nutzte Basler, Berner oder Zürcher Münzen, wenn sein Stadtrat nicht die Nutzung anderer Münzen ausdrücklich erlaubt hatte.

Dem Münzsammler beschert diese Vielfalt einen bunten Strauss unterschiedlichster Prägungen von Städten und Orten, die sich mit der Schönheit ihrer Münzen gegenseitig zu übertreffen suchten. Die Motive sind genauso unterschiedlich wie die Städte und Gebiete, die sie repräsentieren. Einen Höhepunkt erlebte diese Münzprägung, als die reformierten Orte begannen, die Heiligen, die vorher wichtigstes Thema ihrer Münzen gewesen waren, durch detaillierte Stadtansichten zu ersetzen.

 

Darstellung der Eidgenossenschaft auf dem Frontispiz der TOPOGRAPHIA HELVETIAE von Matthäus Merian (1654)

 

Prachtvolle Gepräge der Alten Eidgenossenschaft (aus der Lake View Collection – Teil 1)

 

BASEL. 8 Dukaten 1741, Basel. Goldabschlag mit den Stempeln zum Halbtaler. Stadtansicht von Osten her, darüber der Schriftzug BASILEA sowie die geschweiften Wappenschildchen der acht Vogteien Ramstein, Liestal, Waldenburg, Farnsburg, Homburg, Münchenstein, Pratteln und Riehen. Im Abschnitt die Jahreszahl sowie das Münzmeisterzeichen I H für Johann Jakob Handmann. Rv. DOMINE CONSERVA NOS IN PACE. Nach links blickender Basilisk mit dem ovalen, verzierten Basler Wappenschild in seiner rechten Klaue. Glatter Rand. 27.63 g. Richter (Proben) 1-72 (LP). D.T. 755, Anm. HMZ 2-100e, Anm. Fr. 59. Äusserst selten. Prachtvolle Erhaltung. Fast FDC. Schätzung: 100,000 CHF. Los 2008 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026. NGC MS61 (8902366-023). Top Pop.

 

BERN. 10 Dukaten o. J. (1772), Bern. MONETA REIPUBLICAE BERNENSIS Gekröntes Wappen in reich verzierter Kartusche. Rv. BENE / DICTUS SIT / IEHOVA / DEUS auf einer reich verzierten Kartusche. Von J. C. Mörikofer. Schräg geriffelter Rand. 34.47 g. Lohner 29. D.T. 462b. HMZ 2-203b. Fr. 142. Von grösster Seltenheit. Prachtvolle Erhaltung. Fast FDC. Schätzung: 85,000 CHF. Los 2030 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026.

 

GRAUBÜNDEN. Bistum Chur. Ulrich VII. von Federspiel, 1692-1728. Dukat 1697. VDAL D G EP CVR D IN FVRST ET G ENGST Vierfeldig geteiltes Stifts- und Familienwappen auf einer mit Ornamenten verzierten Kartusche. Darüber die durch Rauten geteilte Jahreszahl. Rv. S LVCI M EPISCOPVS CVRIENSIS Nimbiertes Brustbild des heiligen Lucius nach rechts. In seiner Linken den Reichsapfel, in seiner Rechten Zepter und Palmzweig haltend. Glatter Rand. 3.46 g. Trachsel 235. Wunderly 2404. D.T. 862. HMZ 2-445 (LP). Fr. 214 (very rare). Von grösster Seltenheit. Prachtvolle Repräsentationsprägung von feinstem Stil. FDC. Schätzung: 40,000 CHF. Los 2045 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026. NGC MS63 (8902366-013). Top Pop.

 

LUZERN. 10 Dukaten 1622, Luzern. MONETA NOVA LVCERNENSIS Gekrönter, nimbierter Doppeladler mit dem kleinen Luzerner Wappen auf der Brust. Rv. SANCTVUS LEODIGARIVS P Der heilige Leodegar stehend von vorne, in seiner Linken den Krummstab, in seiner Rechten den Bohrer haltend. Glatter Rand. 33.59 g. Wielandt (Luzern) 61, Anm. (dieses Exemplar erwähnt). Richter (Proben) 1-561 (LP). D.T. 1165, Anm. HMZ 2-634b, Anm. Fr. 291 (very rare). Von grösster Seltenheit. Prachtexemplar von feinster Erhaltung. FDC. Schätzung: 75,000 CHF. Los  2048 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026. NGC MS65 (8902367-001). Top Pop.

 

URI UND NIDWALDEN. Scudo d'oro del sole (Sonnenkrone) o. J. (1506 - ca. 1529), Bellinzona. VRANIE ET VNDERVALDI Schild mit den Wappen von Uri und Nidwalden senkrecht geteilt. Darüber ein gekrönter Doppeladler unter einer strahlenden Sonne. Rv. SALVE CRUX SANCTA ET BENEDICTA Lilienkreuz, in der Mitte einer Vierer-Rosette. Glatter Rand. 3.39 g. Püntener 23c. HMZ 2-967a. Fr. 413 (very rare, dieses Exemplar abgebildet). Von grösster Seltenheit. Aussergewöhnlich gut ausgeprägt und prachtvoll erhalten. Fast FDC. Schätzung: 40,000 CHF. Los 2059 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026. NGC MS62 (8902366-017). Top Pop.

 

ZÜRICH. 10 Dukaten 1725, Zürich. MONETA REIPUBLICÆ TIGURINÆ Geprägt mit den Stempeln zum Stadtansichts-Taler. Zwei Löwen mit Schwert und Palmzweig halten eine Kartusche mit dem Zürcherwappen auf einer Konsole, unten vertieft die Wertzahl 10 (für 10 Dukaten) in einem Oval. Rv. DOMINE CONSERVA NOS IN PACE Ansicht der Stadt Zürich von Süden, vom See her gesehen. Am Horizont links "HIG" für den Münzmeister und Stempelschneider Hans Jakob I. Gessner. Unten bei 6 Uhr die vertiefte Jahreszahl in einer Kartusche. Glatter Rand. 34.79 g. Hürlimann -. Richter (Proben) 1-879 (LP). D.T. 423a, Anm. HMZ 2-1164qa. Fr. 481 (very rare). Von grösster Seltenheit. Prachtexemplar. Fast FDC. Schätzung: 140,000 CHF. Los 2066 der SINCONA  Auktion 108, The Lake View Collection – Teil 1, 27. Oktober 2026.

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