05.09.2026

Der Berner Bär, Berthold von Zähringen und die Franzosen

3 Dukaten o. J. (um 1591), Bern. Schätzung: 70,000 CHF. Über Los 2015 der SINCONA Auktion 108 am 27. Oktober 2026 (Die Sammlung Lake View – Teil 1).

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SINCONA Lake View Collection · Texte und Kontexte III / Um das Jahr 1591 prägte Bern einen Goldabschlag im Gewicht von 3 Dukaten des so genannten «Spiral-Dicken» in Silber – eine absolute numismatische Rarität.

BERN. 3 Dukaten o. J. (um 1591), Bern. Goldabschlag vom Dicken. MONETA.NO.BERNENSIS. Nach links schreitender Bär unter kleinem Doppeladler in einem doppelten Kreis. Rv. In Spiralschrift von innen nach aussen: DVX.BERCH.ZERING:CONDIT.BERNEN:ANNO:D:1191. Im Zentrum eine kleine Rosette. Glatter Rand. 9.96 g. Lohner 300, Anm. (aus der Harscherschen Sammlung in Basel). Richter (Proben) 1-149 (als 3 Goldgulden). HMZ 2-172b, Anm. Fr. 118. Von grösster Seltenheit. Fast Vorzüglich. Schätzung: 70.000 CHF. Los.2015 der SINCONA Auktion 108 (The Lake View Collection – Teil 1) am 27. Oktober 2026.

Eine Jubiläumsprägung?

Um 1591 entstand dieser Goldabschlag mit den Stempeln eines Dicken, der an die Gründung der Stadt Bern erinnert. Auf dem Revers ist Berns Stadtgründer Berthold V. von Zähringen genannt. Nach der Reformation verdrängte diese Referenz auf Berthold den bis dahin auf Berner Prägungen häufig abgebildeten hl. Vincenz völlig. Ein Heiliger passte nicht mehr gut zur reformierten Identität.

Berthold von Zähringen gründete Bern im Jahr 1191, ein Ereignis, das sich im Jahr 1591 zum 400. Mal jährte. Feierten das die Berner? Die Quellen verraten nichts dazu. Stadtjubiläen zu feiern, wurde auch erst viel später üblich. Dass unser Dukat genau im Jahr dieses Stadtjubiläums geprägt wurde, ist also eine hübsche Vermutung, kann aber nicht bewiesen werden.

Berthold von Zähringen erlegt den Bären

Immerhin liessen die Stadtväter kurz vor 1591 die Ratsstube neu ausmalen. Sie beauftragten den hugenottischen Maler Humbert Mareschet, die Berner Geschichte auf mehreren grossen Tafeln darzustellen (unsere Abbildung oben zeigt einen Ausschnitt aus einem der Tafelgemälde, die Humbert Mareschet in den Jahren 1585/6 verfertigte). Die Bärenjagd spielte dabei natürlich eine zentrale Rolle: Als Berthold von Zähringen nämlich beschloss, an der Aare eine Stadt zu gründen, musste ihr ein grosser Wald weichen. Der Herzog plante, ein letztes Mal dort zu jagen. Nach dem Tier, das er erlegen würde, wollte er seine neue Stadt benennen. Er tötete einen Bären, in der Schweiz damals das grösste und gefährlichste Raubtier. Berthold nannte deshalb seine neue Stadt Bern, was sehr passend war. Immerhin war Bern zeitweise militärisch den mächtigsten Herrschern des Abendlandes überlegen.

Der Goldabschlag vom Dicken, der um 1591 entstand, nimmt diese Gründungslegende in seiner spiralförmig angeordneten Umschrift auf: «Herzog Berthold von Zähringen gründete Bern im Jahre des Herrn 1991» ist da in lateinischer Sprache zu lesen. Auf der Vorderseite ist das Berner Wappentier dargestellt; der Bär.

 

Engel, das Berner Wappen haltend. Skulptur im Berner Münster. Foto: KW.

Das mächtige Bern hält sich mächtige Bären

Es blieb nicht beim Wappentier. Die Berner wollten einen lebendigen Bären. Wir wissen, dass sie sich bereits 1441 einen hielten. Das ist sehr früh. Eine Menagerie von wilden Tieren zu besitzen, war damals Privileg der mächtigsten Herrscher. Bern erhob mit dem Besitz seines Bären den Anspruch auf Gleichrangigkeit. Es war in der Lage, diesen Anspruch auch durchzusetzen: 1477 hatte Bern mit seinen Verbündeten in nur drei Feldschlachten den reichsten und mächtigsten Mann Europas, Karl den Kühnen, vernichtet. Solch eine Stadt durfte schon mal einem König den Bären mopsen. So geschehen nach der Niederlage König Ludwigs XII. von Frankreich bei Novara im Jahr 1513.

Die Franzosen holen sich ihre Bären zurück

Wie lange das Gedächtnis einer Nation doch reicht! Als die Franzosen 1798 in Bern einmarschierten, holten sie sich die Nachkommen ihres Bären zurück. Spöttisch liessen sie nur ein neugeborenes, aber totes Bärchen in Bern. Der Verlust ihrer Wappentiere schmerzte die Berner fast noch mehr als der gleichzeitige Raub ihres Staatsschatzes. Die Berner liessen das tote Bärchen ausstopfen. Man kann es heute noch im Historischen Museum Bern besichtigen. Und selbstverständlich schafften sie sich bald Ersatz an - und zwar noch bevor Napoleon geschlagen war. Noch heute ist der inzwischen ganz neu erbaute Bärenpark eine beliebte Berner Sehenswürdigkeit für Touristen und Einheimische.

Zu Seltenheit und Erhaltung

Schon die in Silber geprägte Version dieser Münze, der so genannte Spiral-Dicken, ist äusserst selten und gehört zu den grossen Raritäten der Berner Numismatik. In Gold und im Gewicht von 3 Dukaten ist dieses Stück das einzige, das es auf dem freien Markt gibt. Erstmals tauchte diese Münze während der Versteigerung der Sammlung Theodor Grossmann bei Leo Hamburger im Dezember 1926 auf. Damals wurde sie mit 1.600 Reichsmark zugeschlagen. Das galt als der höchste Preis, der bis zu diesem Zeitpunkt je für eine Schweizerische Münze gezahlt worden war. Zum Vergleich ein hoher Reichsbeamter verdiente im Jahr etwa 12.000 bis 30.000 Reichsmark; für ein Wohnhaus in einer Stadt wie Nürnberg zahlte man zwischen 5.000 und 15.000 Reichsmark.

 

* Abbildung im Kopfbereich: Bertold V. von Zährigen erlegt den Bären. Gemälde aus dem Jahr 1585/6 von Humbert Mareschet, das früher die Berner Ratstube schmückte. Historisches Museum Bern. Foto: KW.

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